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Kiez im Netz
12.Nov 2002
Aktion gegen Schmierereien an Kita
    

"Graffiti-Jäger" unterwegs Prenzlauer Berg - "Das hat damals nur zwei Tage gedauert, dann war sie wieder beschmiert", sagt Heike Kampe. Sie ist Leiterin der Kita an der Erich-Weinert-Straße 33. Vor drei Jahren hatte die Kita eine neu gemalerte Fassade bekommen. Bald darauf war die Kita zum ersten Mal mit bunten Krikkelkrakeln beschmiert. Nach einem Jahr gab es die erste Aktion, die Schmierereien zu beseitigen. Nicht lange konnte sich Heike Kampe über die sauberen Wände freuen. Jetzt, nach zwei Jahren, startete sie einen neuen Versuch. Dieses Mal mit Unterstützung sachkundiger "Graffitijäger".

Das ist zum einen der Verein Nofitti mit dem Sitz an der Sonnenburger Straße. Seit Jahren macht sich der Verein stark, die Graffiti-Flut in Berlin zu bekämpfen. "Wenn es wirklich Kunst wäre, ließe sich ja darüber reden", so Karl Hennig, der Vorsitzende des Vereins. "Das meiste von den Malereien in Berlin ist doch aber nur schlichtes Geschmiere. Das muss weg. Diese Meinung teilen die meisten Berliner."
Die technische Unterstützung kam von der Firma "Colour Clean" aus Weißensee. Sie wird von Holm Draber geleitet. Der Malermeister, seit 93 selbständig, hat 1999 eine Firma zusätzlich gegründet, die sich ausschließlich damit beschäftigt, Graffitis schonend und kostengünstig zu beseitigen. Vier Mitarbeiter beschäftigt er inzwischen mit seiner besonderen Form der "Graffitijagd." "Wenn die Graffitis erst mal da sind", so Holm Draber, "scheuen viele Hausbesitzer wegen der Kosten davor zurück, sie schnell beseitigen zu lassen. Außerdem haben viele längst resigniert. Nach dem Motto: Lasse ich sie heute wegmachen, sind morgen wieder neue dran." Das müsse aber nicht sein, meint Holm Draber.
Er bedient sich eines modernen Verfahrens, die Kosten so niedrig wie möglich zu halten. Dazu hat er ein Farb-Lesegerät gekauft, das die Farbwerte an einer Wand genau bestimmen kann. Heiner Hirschfeldt, Mitarbeiter bei "Colour Clean": "Die Wände, auf denen die Graffitis aufgesprüht sind, habe ihre eigenen Farbwerte. Weil man die mit der normalen Technik des Malerns nicht kopieren kann, muss im Fall des Falles die ganze Wand, das ganze Haus neu gemalert werden. Das macht die Graffiti-Beseitigung so kostenaufwendig."

Nachdem das Farb-Lesegerät die Farbwerte auf einer Wand ermittelt hat, werden die auf einen Laptop übertragen. In einer angeschlossenen Maschine werden nach diesen Vorgaben die entsprechenden Farben gemischt, die identisch mit denen auf der Wand sind. Holm Draber: "Wir können uns also darauf beschränken, nur die tatsächlich betroffenen Flächen zu überspritzen." Bei der Kita mit ihren nur etwa 30 Quadratmetern Wandfläche, mache das noch keinen großen Unterschied. "Nehmen Sie aber mal ein Mietshaus mit fünf Etagen. Da kann sich die Einsparung auf 90 Prozent der normalen Kosten erstrecken."

Leider hätten viele Hausbesitzer die Vorteile eines solchen Verfahrens noch nicht erkannt, so Holm Draber weiter. Aber auch der Furcht vor einer erneuten Beschmierung könnte man mit dieser Methode ganz gut begegnen: "Unsere Erfahrung ist, wenn die Wand zum zweiten oder dritten Mal erneutert ist, geben die Graffiti-Sprüher irgendwann auf. Die wollen sich doch verewigen. Dem schieben wir einen Riegel vor."

Von einer "guten Sache", die "einen Durchbruch" bringen kann, spricht Karl Hennig. Der Bezirksverordnete für die CDU konnte für die Aktion auch die Politiker anderer Parteien gewinnen. Neben Martin Federlein (CDU), Stadtrat für Stadtentwicklung, war auch Bezirksvorsteher Jens-Holger Kirchner (B90/Grüne) erschienen. Auch die zuständige Stadträtin Christine Keil (PDS) schickte zur Graffiti-Beseitigung an der Kita eine Vertreterin vorbei. Karl Hennig: "Auch für das Bezirksamt sind die Graffitis ein großes Problem. Schließlich ist das Land einer der größten Grundstücksbesitzer im Bezirk."

Die Kita-Mitarbeiter zeigten sich höchst zufrieden mit der Aktion und ihrem Ergebnis. Heike Kampe: "Wir sind schon oft von Eltern auf den hässlichen Anblick hin angesprochen wurden. Normalwereise konnten wir bloß mit den Achseln zucken. Der Bezirk hat nicht das Geld, um die vielen Graffitis an allen Einrichtungen regelmäßig beseitigen zu lassen." Natürlich rechne sie nicht damit, mit dieser einmaligen Aktion vor den Sprayern Ruhe zu haben. "Die kommen wieder. Vielleicht schon in zwei Tagen oder nächste Woche."
 

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